TheBlackSwan hat geschrieben:Frage:
1) Auf welche Weise legt ihr im Moment Geld an, und warum?
2) Was sind aktuelle makroökonomische und geldpolitische Trends, die ihr im Auge habt, und welche Prognosen/Erwartungen habt ihr diesbezüglich?
1.) Im Moment nix. Meine Sippe ist gänzlich ausser Gefahr und ich bin immer noch etwas schockiert, dass meine Frau in 2019 erklärte, dass sie das Land nicht verlassen will. Ansonsten wäre ich aus Europa weg gegangen. Es gibt eine Reihe von Sachen, die ich nicht machen kann bzgl. Geldanlage. Weil zuviele (Bessere) bereits Ähnliches denken. Da sollte ich fern bleiben. D.h. ich fokussiere mich auf das, was fast niemand auf der Pfanne hat. Mein Denken ist blockiert, wenn ich investiert bin.
Was ich in der Vergangenheit NICHT genacht habe, könnte interessant sein: ich habe ab 2018 auf eine Unterbrechung von Lieferketten geschaut. Ich habe dazu eine Reihe von Möglichkeiten ausgeschlossen und es blieb als wahrscheinlichstes Ereignis eine Pandemie übrig. Dazu benötige ich Warnmelder. Meine Schwester ist bei Airbus, ein Nachbar (Draeger) fliegt wöchentlich zwischen Shanghai+USA. Ich habe sie einzeln gebeten mich zu informieren, wenn Optionen gecancelt werden bzw. wenn sich in seinem Flugrhythmus etwas ändert. Als beide unabhängig voneinander beides berichteten, habe ich alle gefragt, die in Konzernen arbeiten, ob da jemand an Plänen arbeitet, wie unersetzbare Mitarbeiter eingesetzt werden sollten oder Flugabweichungen geplant sind. Treffer. Dann mein angelesenes Wissen über Lükex 07 (?) und einen typischen Verlauf einer Pandemie eingesetzt. Da saß ich also fertig ausgerüstet um eine Fluglinie zu shorten. Und wartete. Und wartete. Und wartete. Irgendwann kalte Füsse bekommen. Falls Warren Buffet seine Fluglinie mit Extramilliarden ausstattet oder Trump irgendwen mit Billionen zuschüttet, dann wäre ein short u.U. Selbstmord. Ich habe es (leider) gelassen. Das Risiko während des endlos langen Wartens wurde in meiner Wahrnehmung mit jeder Minute größer. Wahrscheinlich gehörte ich zu den bestinformierten Coronashortern....die nix gewonnen haben dank kalter Füsse

Aber eines hat funktioniert: ich habe mir erfolgreich das verteilte Wissen meiner Umgebung zunutze gemacht. Zu meiner Überraschung übrigens ohne dass diese Leute es mitbekommen haben. Sie hielten das einfach für bizarre Fragen meinerseits. Die sind das gewohnt. Und haben sich lange Zeit Nichts dabei gedacht. D.h. Es macht einen großen Unterschied, ob man gezielt nach etwas sucht oder nicht. Zunutze gemacht habe ihr mir dabei das Wissen von gut geführten Unternehmen bzw. deren Kunden. Beim leisesten Hinweis auf eine Pandemie werden Fluglinien Optionen canceln. Dies ist Umgebungswissen, das prinzipiell jedem zur Verfügung steht. Falls Ihr so etwas habt und Euch prinzipiell für das interessiert, was eure Umgebung fachlich drauf hat, dann könnt ihr manchmal Sachen früher erkennen als alle anderen.
Dies ist genau das was ich suche. Ich habe kein Interesse an konventionellen Anlagestrategien. Ich möchte spielen. Man liest Texte anders, wenn man auch nur in Gedanken spielt.
Ein anderes Beispiel war annalena, wind, gas, kohle. Ein Kinderspiel und leider Realität. Falls Ihr z.B. Leute kennt, die rudimentär Ahnung von Energie haben, dann hätten die das eigentlich sehen müssen. Sucht diese Leute. Und versucht heraus zu finden, warum sie es NICHT gesehen haben. Es handelte sich ja nicht um ein kurzes 1-Wochen-Phänomen.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich auf Leute treffe, die mehr können als ich. Das ist nicht schwer. Nahezu jeder Selbstständige kann mindestens 1 Sache, die ich nicht kann. Und die möchte ich gerne lernen. Wie der die Welt sieht. In der Regel anders als ich.
2.)
FED: Q(uantitave)T(Ightning) ist das Gegenteil von QE. Papiere werden auf dem Markt verkauft gegen Geld. Zinsen werden erhöht. Beides ist exakt das Gegenteil von dem, was davor gemacht wurde. D.h. bezogen auf diese beiden Vektoren werden nahezu alle Vermögenswerte fallen (es sei denn eine kommende Zinserhöhung ist bereits eingepreist). Ausnahmen sind sowas wie Unverzichtbares bzw. allgemein: Monopole.
M(ortgage)B(acked)S(ecurities) z.B. werden von der FED nicht mehr gekauft. Die Banken wollen sowas auch nicht haben. D.h. die Immobilienpreise werden mit einiger Verzögerung fallen. Immobilien, die man sich nur auf Kredit leisten kann, werden dann weit überteuert sein, aber noch lange brauchen, bis jemand wirklich verkaufen wird.
Es gibt unterschiedliche Ansichten, wie weit die FED das treiben kann. Es ist Wealth Effekt invers.
Die eine Seite meint, dass die FED aufs Ganze geht und um jeden Preis die Zinsen weiter erhöht (zu Beginn in kleinen Schritten) um die Inflation unter Kontrolle zu bringen und den Dollar zu retten. Und das heisst notfalls auch sehr hoch, bis die Inflation eben unter Kontrolle ist. Es geht um echte Vernichtung von Nachfrage dabei.
Die andere Seite meint, dass die FED bei ca. 3% kapituliert, weil dann alles droht zu kollabieren und deshalb wieder das gute alte QE gemacht wird. In dem Fall würde es weiter Inflation geben.
Falls Ihr daran glaubt (und den Effekt von QE+0-Zins verstanden habt und deshalb QT+steigende Zinsen versteht), dann wäre eine sinnvolle werterhaltende Strategie, die kurzfristigsten Staatsanleihen in den USA zu kaufen und bei Auslaufen sofort dasselbe wieder zu machen. D.h. ihr setzt auf steigende Zinsen und hofft so möglichst nahe an den Punkt zu kommen, wo die Zinsen nicht weiter steigen. Dann schauen, ob langfristige Anleihen ähnlich verzinst sind (oder besser) und langfristig zuschlagen.
Eure Ausgaben sind hier in Euro. Die Inflation in den USA kann Euch erstmal egal sein.
EZB:
Kurz: Ich habe keine Ahnung, wie die EZB den Euro zusammen halten will. Ohne dass Euch sowohl die fähigen Leute als auch die fähigen Unternehmen den Rücken kehren. Dies ist keine demokratische Entscheidung, sondern eine Abstimmung mit den Füssen.
In diesem Fall (Euro schmiert weiter ab) wäre der o.g. Kauf von kurzfristigen Staatsanleihen in den USA eine Art Fluchtwährung gegenüber einem Euro mit höherer Inflation. Ihr verliert gegenüber der Inflation in Dollar (die ihr aber nicht tragen müsst) und gewinnt in Euro. Je stärker der Euro gegenüber dem Dollar abschmieren würde, desto besser wird es dabei.
Dies wäre eine konservative Werterhaltungsstrategie für den Fall, dass die FED die Zinsen schneller erhöhen kann als die EZB.
Rest:
Bei steigenden Zinsen für den Dollar sieht es für den Großteil der Welt (jeder mit nennenswerten Dollarschulden) düster aus. Diese Welt ist hochverschuldet und benötigt spottbilligen Dollar. Und nicht steigende Energiepreise und steigenden Dollar.
D.h. falls ihr mutig seid, könnt ihr Euch da aussuchen, auf welchen Fall ihr wetten wollt.
Umgekehrt heisst das aber: wer haftet eigentlich für die ganzen kommenden Zahlungsausfälle in der dritten Welt ?
In der Vergangenheit wurden bei Bankenproblemen immer von z.B. Greenspan die Zinsen gesenkt und schon war die Welt wieder in Ordnung. Das geht eben nicht mehr.
Das war es kurz, weil mich dieser Aspekt wenig interessiert (mich interessiert fast nur was die FED macht). Was ich zum Jahresende mache weiß ich nicht.
Ein ganz anderer Ansatz ist derjenige, der mir lieber ist: nehmt Euch ein Thema (ein Produkt oder sowas). Und dann eignet ihr Euch davon ausgehend das eurer Meinung nach Wichtige über Märkte/Macro an.
Das hier ist meine Empfehlung (muss Euch aber nicht interessieren):
https://ourfiniteworld.com/
Ich bin über peak Oil/Oil drum auf sie gekommen.
Sie ist Mathematikerin, hat früher Versicherungen beraten und ihr Thema ist Energie. Nicht Geld.
Dies ist die stoffliche Ebene, die ihr bald schmerzlich zu spüren bekommt. Energie, Wasser, Nahrung, Rohstoffe.
Ihr Thema ist wie sich eine schrumpfende Realität bei wachsender/konstanter Bevölkerung auswirkt und was für Probleme auftreten können, wenn man nur auf Bilanzen schaut und versucht Real Weniger mit mehr Geld/Bilanzmanipulation zu begegnen.
Die letzte große Bilanzmanipulation wurde nicht gemacht, weil ihr so reich wart. Im Gegenteil.
Ich empfehle nahezu jeden Artikel (Ukraine/Russland ist auch dabei)
Sie geht auf das Problem ein, dass aus Sicht der Energieproduzenten die Preise viel zu niedrig sind.
Und ohne extrem billige Energie funktioniert gar nichts.
Jemand muss am Ende ohne die gewohnte Menge auskommen.
Bei sinkender Energiemenge ist dieser Planet überbevölkert.
Das ist das was mich am meisten interessiert.
Nach meiner Einschätzung sind die Energie- Wasser- Nahrungs- Rohstoffkriege eröffnet.
Nahrung:
Landgrabbing. Ukraine. Wer besitzt das Land ? Für wen wird da gekämpft ? Theoretisch könntet ihr da Experte werden passend zum Konflikt. Dieses Wissen könnt ihr anschliessend auch anderswo einsetzen. Oder für Euch selbst. Beteiligt Euch an Landgrabbern, wenn ihr es könnt und ihr meint, dass es Zukunft hat. Falls Landgrabbbing auch bei steigenden Zinsen anhält, dann habt ihr einen guten Hinweis darauf, dass Leute, die rechnen können, überzeugt sind, dass es noch viel wertvoller wird. Dann könnt ihr auch selber prüfen.
Enteignung und Verarmung der Bauern :
https://www.nachdenkseiten.de/?p=86079
Australien und USA (westlich des Mississppi) werden langfristig als Nahrungslieferanten ausfallen. Für immer (in menschlichen Zeiträumen gedacht)
Wasser:
Eng mit Nahrung verbunden. Jedes Gebiet mit Grundwasserextraktion steht insbesondere bei wachsender Bevölkerung kurz vor dem Exitus. Der vielleicht interessanteste Fall ist der Oglalla-Aquifier (weil langjährig erforscht). Der ist praktisch leer. Ihr könnt aber auch andere Länder nehmen. In dem Moment, wo es kein Wasser gibt, hört das Leben für die meisten Menschen dort auf. Egal welcher Religion/Ethnie/Kultur.
Das wäre meine wesentliche Empfehlung: sucht Euch einen Bereich, in dem ihr etwas wissen wollt und werdet schlauer als andere. Lest insbesondere Zeug, das eurer Meinung widerspricht. Schliesslich wollt ihr keine Meinung vertreten und Diskussionen 'gewinnen', sondern am Ende so sicher sein, dass ihr eben euer Geld setzt. Dann müsst ihr praktisch alles ausgeschlossen haben, was dagegen sprechen könnte.
Das ist mein prinzipieller Ansatz. Jedes Mal, wenn man sich Wissen aneignet, fallen einem mehr Ansatzpunkte ein, um Unregelmässigkeiten/Muster sehen zu können, die anderen wahrscheinlich entgehen.
Sobald ich etwas sehe, was eigentlich unmöglich sein sollte (z.B. extreme Gaspreissteigerung ohne Reaktion aus Deutschland) möchte ich in der Lage sein, es sofort zu nutzen.
Das heisst ich suche nach dem, was andere nicht sehen können/wollen.
Knappheit von Nahrung, Wasser, Energie, Rohstoffen sind extrem stark inflationär. Da kann man Geld umverteilen so viel man will. Seine Bilanzen manipulieren. Hilft nix. Bzw.: ihr könnt es jetzt anderen weg nehmen.
Dasselbe passiert, wenn ihr keine Produkte mehr herstellt, sondern nur noch Finanzprodukte.
Sobald der Produzent (China) ein Teil der Kette alleine produziert, dann helfen euch keine Finanzprodukte mehr. Sie werden sogar extrem schnell wertlos.
Das habe ich meinen Leuten erzählt: raus aus Aktien, raus aus Finanzprodukten. Schafft euch Realität an. Die wird knapp.